Texelschaf mit Lamm auf einem Deich der niederländischen Insel Texel

Texelschafe – robuste Inselbewohner mit besonderer Wolle

Manchmal braucht es keinen exotischen Ursprung, um etwas Besonderes zu finden.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Wolle vom Texelschaf – einer Rasse, die auf der niederländischen Insel Texel beheimatet, aber auch in Deutschland weit verbreitet ist.

Was einst als reine Fleischrasse gezüchtet wurde, hat sich längst auch in der Wollwelt einen Platz verdient. Die Texelwolle ist griffig, robust und von natürlicher Stärke. Sie steht für Bodenständigkeit und Regionalität – für Tiere, die Wind und Wetter trotzen und deren Wolle gerade deswegen so vielseitig einsetzbar ist.

Texelschafe im Schnee

In diesem Beitrag möchte ich dir die Texelschafe und die Eigenschaften ihrer Wolle genauer vorstellen. Du erfährst, warum sie für weit mehr geeignet ist, als du vielleicht dachtest.

Lass uns damit beginnen, den natürlichen Rohstoff Texelwolle wieder mehr wertzuschätzen und ihn in seinen verschiedenen Varianten zu nutzen!

Das Texelschaf – eine robuste Rasse mit Geschichte

Wenn man Texelschafe sieht, fällt sofort ihr kräftiger Körperbau auf. Die weißen Schafe sind kompakt und muskulös mit einem ruhigen Wesen.

Ausgewachsene Schafe erreichen eine Größe von 70 – 80 cm Risthöhe. Auen, also die weiblichen Schafe, wiegen 70 – 100 kg. Böcke, also männliche Schafe, erreichen ein Gewicht von bis zu 130 kg. Damit liegen sie im Vergleich zu anderen Schafrassen im oberen Mittelfeld.

Ursprünglich stammen sie von der niederländischen Insel Texel, wo sie schon seit dem 19. Jahrhundert gezüchtet werden. Ziel war damals nicht die Wollproduktion, sondern die Fleischleistung: Texelschafe galten als widerstandsfähige, schnell wachsende Tiere, die dem rauen Inselklima standhielten.

💡 Wusstest du schon?
Im 19. Jahrhundert lebten auf der niederländischen Insel Texel doppelt so viele Schafe wie Menschen. Bis heute sind die Tiere ein fester Bestandteil der Landschaft und Kultur, doch das Verhältnis von Mensch und Schaf ist heute ausgewogener. Bei etwa 14.000 Einwohnern und 13.000 bis 15.000 Schafen leben fast gleich viele Schafe wie Menschen auf der Insel.

Mit der Zeit verbreitete sich die Rasse weit über die Insel hinaus. Auch in Deutschland sind Texelschafe heute auf vielen Höfen zu finden, vor allem bei Landwirt:innen, die robuste und unkomplizierte Tiere schätzen.

Texelschaf auf der Weide

Sie fühlen sich sowohl auf Weiden im Küstenklima als auch im Binnenland wohl und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Pflege unserer Kulturlandschaften.

Typisch für Texelschafe ist ihr dichtes, gleichmäßiges Wollvlies in einem hellen Naturweiß bis leicht cremigen Ton. Die Wolle schützt die Tiere hervorragend vor Wind und Wetter – und genau diese Eigenschaften machen sie auch für die Verarbeitung so interessant.

Zwar gehört Texelwolle nicht zu den feinsten Fasern, doch ihre Griffigkeit, Elastizität und ihr schönes Volumen verleihen ihr Charakter.

Gerade in Zeiten, in denen regionale Wolle wieder an Bedeutung gewinnt, lohnt sich ein Blick auf das Potenzial dieser robusten Rasse. Denn Texelwolle ist vielseitiger als man auf den ersten Blick vermuten würde.

Die Texelwolle – Eigenschaften, die überraschen

Texelwolle gehört zu den eher kräftigen Schafwollen – und genau das macht sie so spannend.

Wer sie zum ersten Mal in den Händen hält, spürt sofort: Diese Faser hat Charakter. Sie ist griffig, voluminös und besitzt einen ganz eigenen, natürlichen Glanz.

Die Fasern der Texelwolle sind mittelfein bis grob, was sie besonders robust und widerstandsfähig macht. Im Vergleich zu Merino- oder feiner Alpakawolle ist sie weniger weich auf der Haut, dafür aber formstabil und langlebig.

Der natürliche Farbton reicht von hellem Weiß bis zu einem cremigen Beigeschimmer – perfekt für alle, die natürliche, ungefärbte Wolle lieben oder selbst färben wollen.

Durch ihre Struktur lässt sich Texelwolle wunderbar verarbeiten: Sie besitzt ein schönes Volumen, ist elastisch und lässt sich durchaus auch filzen. Beim Spinnen zeigt sie sich von ihrer unkomplizierten Seite, denn die Fasern greifen gut ineinander und ergeben ein gleichmäßiges Garn mit lebendiger Textur.

Natürlich hat Texelwolle auch ihre Ecken und Kanten. Wer empfindlich auf kratzige Wolle reagiert, sollte sie eher für Projekte wählen, die nicht direkt auf der Haut getragen werden oder für (Home)Accessoires – etwa für rustikale Strickjacken, Hausschuhe, Körbchen oder Sitzkissen.

Dafür zeigt sie ihre Stärke in anderen Bereichen: Sie ist stabil, wärmend, atmungsaktiv und ihr Volumen sorgt für eine wunderbar griffige Haptik.

Kurz gesagt: Texelwolle ist nichts für die Hochglanz-Vitrine – sondern für alle, die echte, rustikale Wolle lieben und schätzen, was Naturfasern in ihrer ursprünglichen Form leisten können.

Drei Wege, Texelwolle kreativ zu nutzen

Wer Texelwolle einmal ausprobiert hat, merkt schnell: Sie ist nicht nur robust, sondern unglaublich vielseitig.

In meinem Onlineshop kannst du Wolle von Texelschafen in verschiedenen Varianten kaufen. Sie stammt von einem kleinen Hof in Warburg, wo sich ein junger Hobbyschäfer mit viel Herzblut um die Tiere kümmert.

Während der Schur wird die Wolle in verschiedene Kategorien eingeteilt:

  • A-Qualität: das ist die schönste Wolle, die zu Vlies und Garn weiter verarbeitet wird.
  • B-Qualität: diese Wolle ist an einigen Stellen bereits leicht angefilzt und war stark verschmutzt. Sie wird heiß gewaschen, eignet sich aber nicht zur weiteren Aufbereitung. Doch auch Rohwolle in ihrem ursprünglichen Zustand ist durchaus für das ein oder andere Handarbeitsprojekt geeignet.
  • Ausschusswolle: das sind die Teile von Bauch, Beinen und Po, die so verfilzt und verschmutzt sind, dass sie sich nicht mehr reinigen lassen und nur noch zu Düngepellets verarbeitet werden können.

💡 Wusstest du schon?
Die Wolle der Böcke (männliche Schafe) ist nochmal gröber als die Wolle der Auen (weibliche Schafe). Daher landet die Wolle der Böcke bei der Ausschusswolle.

Damit du eine Vorstellung bekommst, was sich mit Texelwolle alles umsetzen lässt, zeige ich dir, was du mit Rohwolle, Vlies und Garn so alles machen kannst:

Rohwolle vom Texelschaf – Natürlich & vielseitig

Rohwolle vom Texelschaf

Ganz ursprünglich beginnt alles mit der Rohwolle. Diese naturbelassene Wolle eignet sich wunderbar zum Füllen von genähten Kissen oder gehäkelten Amigurumi. Perfekt wenn du eine natürliche Alternative zu künstlicher Füllwatte suchst.

Auch beim Filzen zeigt sie ihre Stärke: Sie lässt sich hervorragend nadelfilzen. Weil sie unbehandelt ist, bleibt ihr typischer Wollcharakter vollständig erhalten.


Kardiertes Texelvlies – Spinnvergnügen mit Charakter

Nahaufnahme eines eingerollten Vlies aus Texelwolle

Nach dem Waschen wird die Rohwolle in A-Qualität zu einem lockeren, luftigen Vlies kardiert. In dieser Form ist sie perfekt für alle, die gerne spinnen oder filzen.

Besonders schön: Texelvlies lässt sich leicht verspinnen, da die Fasern gut ineinander greifen. Damit ist Texelwolle auch für Spinn-Anfänger:innen geeignet, die sich an erste Spinnversuche wagen wollen.

Beim Spinnen entsteht ein Garn mit festem Griff und lebendiger Textur – ideal für rustikale Strick- und Häkelstücke wie Körbchen, Jacken oder Accessoires, die ein bisschen Struktur vertragen dürfen.

Auch zum Nassfilzen kann das Vlies vom Texelschaf verwendet werden. Beachten musst du dabei aber, dass sich die gröberen Fasern dieser Schafrasse nicht so schnell verfilzen wie z.B. feine Merinowolle.

Es braucht mehr Zeit und Bewegung damit sich die Fasern verbinden. Hier ist ein bisschen Erfahrung von Vorteil.

Am Ende entsteht ein festes, strukturiertes Filzbild. Wie wäre es zum Beispiel mit gefilzten Hausschuhen oder einem Sitzkissen für deine nächste Wanderung?


Schurwollgarn vom Texelschaf – Rustikale Regionalität zum Stricken & Häkeln

Nahaufnahme eines wollweißen Strang Schurwollgarn vom Texelschaf

Wer lieber zu Strick- oder Häkelnadeln greift, kann mit dem Schurwollgarn vom Texelschaf sofort loslegen.

Das Garn der heimischen Schafe wird in Deutschland gesponnen.

Es eignet sich hervorragend für robuste Strickstücke wie Jacken, Beinstulpen, Körbchen oder rustikale Heimtextilien. Besonders schön wirkt es mit Zopfmustern, die zu seiner Struktur passen.

Dichte, warme Socken kannst du mit Nadelstärke 4 stricken. Für eine lockerere Haptik z.B. bei Strickjacken empfehle ich Nadelstärke 5 bis 6.

 

Wolle richtig pflegen - so bleibt sie lange schön

Deine Werke aus Texelwolle bedürfen nicht viel Pflege. Schafwolle hat eine selbstreinigende Wirkung, daher reicht es in den meisten Fällen schon aus, die Strickjacke oder den Pullover draußen zu lüften. Oder du hängst das Stück während einer heißen Dusche ins Badezimmer. Der feuchte Wasserdampf lässt dein Strickstück wie neu erscheinen.

Solltest du es doch mal waschen wollen, machst du das am besten von Hand mit flüssigem Wollwaschmittel. Lege das Strickstück einfach in ein Becken mit warmen Wasser. Wichtig ist, dass du es nicht zu viel bewegst und am Ende nur ausdrückst – nicht wringen! Wärme und gleichzeitige Reibung führen zum verfilzen.

Warum Texelwolle? – Drei gute Gründe für dein nächstes Projekt

Texelwolle ist vielleicht nicht die weichste, aber sie ist eine sehr vielseitige Wollsorte. Sie steht für Regionalität und Ursprünglichkeit. Wenn du nach einem Material suchst, das eine Geschichte erzählt, dann ist Texelwolle genau das Richtige für dich:

Nachhaltigkeit – Wolle mit kurzer Lieferkette

Unsere Texelwolle ist ein echtes Stück Regionalität. Die Schafe leben auf Weiden in Warburg (NRW). Die Wolle wurde in Göttingen gewaschen und in Langenfeld bei Leipzig versponnen.

Entscheidest du dich für unsere Wolle, entscheidest du dich für ein Produkt, das natürliche Ressourcen schont und unsere heimische Landwirtschaft stärkt.

Transparenz – Du weißt, wo’s herkommt

Jede Schaf- und Alpakawolle, die ich in meinem Onlineshop anbiete, stammt von kleinen Höfen in Deutschland, die ich persönlich kenne. HIER erfährst du genau, von welchen Tieren die Wolle stammt, und wie sie leben.

Tierwohl steht für mich an erster Stelle. Du kannst dir sicher sein, dass alle Wolllieferanten artgerecht gehalten und jedes einzelne Tier gut umsorgt wird.

Kreativität – So vielseitig wie deine Ideen

Ob Füllen, Filzen, Spinnen, Stricken oder Häkeln: Texelwolle ist ein absoluter Allrounder für deine kreativen Projekte.

Ihre griffige Struktur verleiht Projekten Charakter, während ihr Volumen und ihre natürliche Elastizität für lebendige, langlebige Ergebnisse sorgen.

Sie ist das perfekte Material für alle, die gerne experimentieren, Neues ausprobieren und Freude an ursprünglichen Naturfasern haben.

Mit jeder Faser bringst du ein kleines Stück regionaler Handwerkskunst in dein Zuhause.

Nahaufnahme des Kopfes eines Texelschafes auf der Weide
Zurück zum Blog

Hinterlasse einen Kommentar